Blasenentzündung

Starke Krämpfe, ständig der Drang, Wasser lassen zu müssen, obwohl dann nur wenige Tröpfchen ausgeschieden werden und das tut dann auch noch schrecklich weh – eine Blasenentzündung gehört mit zu den unangenehmsten Erkrankungen.

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Starke Krämpfe, ständig der Drang, Wasser lassen zu müssen, obwohl dann nur wenige Tröpfchen ausgeschieden werden und das tut dann auch noch schrecklich weh – eine Blasenentzündung gehört mit zu den unangenehmsten Erkrankungen.
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Mindestens jede zweite Frau bekommt einmal in ihrem Leben Blasenentzündung, medizinisch Zystitis. Viele erkranken sogar häufiger. Männer bekommen seltener einen Harnwegsinfekt. Ursache ist die männliche Anatomie: Der Harnleiter des Mannes verläuft durch den Penis und ist dementsprechend wesentlich länger als der einer Frau.

Bis die krank machenden Keime die Blase erreichen können, werden sie vom lokalen Abwehrsystem in der Schleimhaut der Harnröhre ständig attackiert. Bei der Frau ist die Harnröhre viel kürzer, nur etwa drei bis vier Zentimeter. Deshalb steigen die Erreger rasch in die Blase auf und Frauen bekommen wesentlich häufiger eine Blasenentzündung als Männer.

Etwa fünf Prozent der Frauen in Deutschland leiden unter einer chronischen Blasenentzündung. Das bedeutet, sie haben mindestens zweimal pro Jahr eine Zystitis. Für diese Gruppe gibt es inzwischen eine Impfung, die vor immer wiederkehrender Blasenentzündung schützen kann.

Schuld an der Blasenentzündung sind meist Darmbakterien

Auslöser für eine Blasenentzündungen sind Bakterien. In mehr als 80 Prozent der Fälle handelt es sich dabei um das Darmbakterium Escherischia coli (E. Coli). Es kann aus dem Anus zur Harnröhre gelangen. Diese Gefahr einer Schmierinfektion besteht wiederum vor allem für Frauen, weil sich ihre Harnröhre näher am Anus befindet als bei Männern. Wenn nach dem Toilettengang in falscher Richtung geputzt wird, also von hinten nach vorne, können die im Darm so nützlichen Bakterien rasch den Platz wechseln und in Harnröhre und Blase eine Entzündung auslösen. Andere Bakterienarten, wie etwa Enterokokken oder Staphylokokken sind nur manchmal Auslöser der Blaseneninfektion. Selten handelt es sich um Pilze, die zu den Beschwerden führen.

Risikofaktoren für Harnwegsinfekte: Sex und Schwangerschaft

Um eine Blasenentzündung zu bekommen, muss die lokale Abwehr geschwächt sein. Nur dann wandern die Keime ungehindert in die Blase und vermehren sich dort. Blasenentzündungen kommen also meist im Anschluss an eine Erkältungskrankheit oder wenn Füße, Beine und Becken unterkühlt sind. Das passiert nicht nur in der kalten Jahreszeit. Typischer Risikofaktor ist beispielsweise im Sommer nasse Badebekleidung. Die Verdunstungskälte vom feuchten Badeanzug oder Bikinihöschen auf der Haut unterkühlt den gesamten Unterleib und die Bakterien können sich sofort vermehren. Weitere Risikofaktoren einer Blasenentzündung sind:

  • Sex – bei der Penetration können die Bakterien in die Harnröhre eingerieben werden. Denn der Ausgang der Harnröhre befindet sich zwischen Vagina und Klitoris. Bekannt ist etwa die so genannte Honeymoon-Zystitis (Flitterwochen-Blasenentzündung). Besonders gefährlich: zuerst Anal-, dann Vaginalverkehr. Dabei gelangen die Keime noch leichter in die Harnröhre.
  • Schwangerschaft – die veränderte Hormonsituation erleichtert es den Bakterien, in die Harnröhre einzuwandern.
  • Pille – manche Antibaby-Pillen erhöhen das Risiko für eine Blasenentzündung. Das betrifft manchmal Präparate mit niedrigem Östrogengehalt. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, falls Sie diesen Verdacht haben.
  • Diabetes – die Stoffwechselerkrankung verändert auch die lokalen Abwehrsituation in den Schleimhäuten.
  • Wechseljahre – der Östrogenmangel schwächt die Abwehrkraft in Harnröhre und Blase.
  • Falsche Toilettenhygiene – nicht von hinten nach vorne abputzen, sondern immer von vorne nach hinten. Auf diese Weise können die Darmbakterien nicht in den vorderen Intimbereich übertragen werden.

Brennen, Schmerzen, Unwohlsein – die Symptome einer Blasenentzündung

Die wichtigsten Symptome einer Blasenentzündung sind die Schmerzen beim Wasserlassen sowie häufiger Harndrang. Der Harn kann trübe sein und schlecht riechen. Hinzu können Schwächegefühl, Frösteln oder Schwitzen kommen. Manchmal steigt auch die Temperatur. Zeigt sich Blut im Urin und erreicht die Temperatur Werte, die deutlich über 38 Grad liegen, kann das auf eine Nierenentzündung hindeuten. Dann haben sich die Keime über die Blase bis zu den Nieren ausgebreitet.

Antibiotika bremsen die Bakterien aus

Sind die Beschwerden stark ausgeprägt, sollten Sie zum Arzt gehen. Mit einem Urintest stellt er fest, ob eine Entzündung vorliegt und welche Bakterien dabei eine Rolle spielen. Meist helfen dann nur noch verschreibungspflichtige Antibiotika, um die Keimflut einzudämmen. Speziell gegen Blasenentzündungen stehen inzwischen Produkte zur Verfügung, die nur einmal eingenommen werden müssen, etwa der Wirkstoff Fosfomycin. Neben dieser Einmalgabe gibt es auch Antibiotika, von denen nur an einem Tag dreimal eine Tablette eingenommen werden muss. Alle anderen sollten nach Anweisung des Arztes drei bis zehn Tage angewendet werden. Die wichtigsten Wirkstoffe sind dabei:

  • Cotrimoxazol
  • Ciprofloxacin
  • Levofloxacin
  • Nitrofurantoin
  • Trimethropin

Bakterien werden gegen Antibiotika immun - Resistenzen

Allerdings entwickeln die Coli-Bakterien mit der Zeit Resistenzen. Sie werden also immun gegen manche Antibiotika. Eine Studie hat gezeigt, dass derzeit die wenigsten Resistenzen gegen die Wirkstoffe Fosfomycin und Nitrofurantoin bestehen. Viele gab es dagegen bei Cotrimoxazol und Trimethropin. Der Arzt verschreibt Frauen, die zu häufigen Blasenentzündungen neigen, vorsorglich ein Antibiotikum, das ausschließlich die Vermehrung der Coli-Bakterien verhindert. Meist reicht eine Tablette bei den ersten Anzeichen und die Blasenentzündung entwickelt sich gar nicht.

Selbsthilfe und Vorbeugen von Blasenentzündungen

Trinken, trinken, trinken lautet das erste Gebot zur Vorbeugung und Behandlung einer Blasenentzündung. Ist die Blase gut durchspült, werden dabei Bakterien ausgeschwemmt und können sich nicht in der Blasenschleimhaut einnisten. Daneben gibt es eine Reihe von Phytotherapeutika, die antibakteriell wirken, die Blase desinfizieren sowie die Nierentätigkeit anregen, um das Durchspülen der Blase zu aktivieren. Daneben gelten folgende Tipps zur Vorbegung:

  • Vermeiden Sie Unterkühlung
  • Gewöhnen Sie sich an, nach dem Toilettengang immer von vorne nach hinten zu putzen.
  • Benutzen Sie zur Intimhygiene keine parfümierten Produkte, sondern am besten spezielle Pflegepräparate für diesen Bereich (Apotheke).
  • Duschen Sie vor und nach dem Sex den Intimbereich mit klarem, warmen Wasser – bitte auch der Partner.
  • Gehen Sie nach dem Geschlechtsverkehr auf die Toilette und leeren Sie Ihre Blase gründlich. Auf diese Weise werden Bakterien, die beim Sex in die Harnröhre eingedrungen sind, sofort wieder herausgespült.
  • Essen Sie vitaminreich. Das stärkt nicht nur die Abwehrkraft. Studien haben gezeigt, dass etwa Vitamin C den Urin ansäuert und es damit Bakterien schwer macht, zu überleben.
Die besten Helfer bei Blasenentzündung

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Letzte Aktualisierung: 29. August 2014
Quellen: Harnwegsinfektionen - Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie, gültig bis 2015; Blasenentzündung, Angelika Kilmartin, Trias Verlag