Chemische, physikalische und pflanzliche Läusemittel

Kopf- und Hautläuse: Rezeptfreie Medikamente

Bei den Medikamenten zur Behandlung von Kopfläusen unterscheidet der Apotheker zwischen chemischen Medikamenten (Insektiziden), die auf das Nervensystem der Läuse toxisch wirken, sowie physikalischen und pflanzlichen Produkten.

Kind in der Badewanne
Viele rezeptfreie Medikamente werden als Shampoo auf die Kopfhaut aufgetragen.
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Gut bewährt haben sich mechanisch wirkende Mittel auf Silikonölbasis (Dimeticone). Sie werden auf die Kopfhaut aufgetragen und müssen je nach Wirkstoff unterschiedlich lange einwirken. Nach dem Auftragen dringt das Öl in die Atemöffnungen der Laus ein und verklebt sie, das Tier erstickt innerhalb von wenigen Minuten. Der große Vorteil mechanischer Läusemittel: Sie sind ungiftig und frei von Nebenwirkungen.

In Deutschland sind derzeit sechs Dimeticon-haltige Kopflausmittel auf dem Markt. Wissenschaftlich erwiesen ist die hohe Wirksamkeit auf der menschlichen Kopfhaut bei den Substanzen „Nyda L“ und „EtoPril“. „Nyda L“ wird von den gesetzlichen Krankenkassen für Kinder bis zum zwölften Lebensjahr erstattet, wenn es der Arzt verordnet hat. Dasselbe gilt für das ebenfalls mechanisch wirksame Mittel „Jacutin Pedicul Fluid“.

Chemische Läusemittel: nachgebauter Chrysanthemen-Extrakt

In Deutschland zugelassene Kopflausmittel, die als Nervengifte auf Läuse wirken:

  • Permethrin (“Infectopedicul”): rezeptfrei

  • Malathion (“Infectopedicul Malathion-Shampoo”): rezeptpflichtig

  • Pyrethrum + Piperonylbutoxid + 4-Chlor-3-Methyl-phenol (Chlorocresol) + Diethylenglykol (“Goldgeist Forte”): rezeptfrei

  • Allethrin + Piperonylbutoxid (“Jacutin N Spray”): rezeptfrei

Insektizide töten lebende Läuse ab, aber häufig nicht ihre Eier: Ein Läuse-Ei entwickelt erst nach vier Tagen ein Nervensystem, welches das Insektizid angreift. Deshalb sollten Sie die Behandlung nach acht bis zehn Tagen wiederholen, um sicher zu gehen, dass alle nachgereiften Läuse vernichtet worden sind. Aufgrund der hohen Widerstandsfähigkeit von Läusen empfiehlt sich das aber bei allen Läusemitteln – auch bei mechanischen und pflanzlichen.

Der synthetisch hergestellte Wirkstoff Permethrin ahmt den Extrakt von Chrysanthemen nach und gilt als am besten verträglich. Allerdings bleibt er länger auf der Kopfhaut und erhöht so das Risiko für Nebenwirkungen. Pyrethrum und Pyrethroide können zudem Allergien auslösen beziehungsweise eine Allergie gegen Chrysanthemen verstärken.

Läuse bilden Resistenzen gegen gängige Medikamente

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Es finden sich in zunehmendem Maß Läuse-Populationen, die gegen diese Wirkstoffe resistent sind. So haben Studien in Großbritannien ergeben, dass die Wirksamkeit von Permethrin dort mittlerweile unter 50 Prozent liegt. Aus diesem Grund sollten Sie chemische Läusemittel niemals zur Vorbeugung anwenden.

Grundsätzlich sollten Sie sich bei Anwendung chemischer Mittel unbedingt an die auf das jeweilige Alter des Kindes abgestimmte Dosierungsanleitung halten. Unbedingt abzuraten von Insektiziden ist, wenn sich Ihr Kind aufgrund des Läusebefalls bereits blutig gekratzt hat. Dann besteht die Gefahr, dass das Nervengift in den Körper gelangt. Suchen Sie in diesem Fall besser einen Arzt auf, um die Läuse loszuwerden – mehr dazu lesen Sie im Kopflaus-Kapitel "Wann zum Arzt" auf Yavivo.

Pflanzliche Läusemittel nicht immer wirksam

Eine ähnliche Wirkung wie mechanische Wirkstoffe versprechen pflanzliche Produkte, die Läuse mit ätherischen Ölen oder Fettsäuren vernichten sollen – etwa Anti-Läuse-Shampoos mit Kokosextrakt. Der Behandlungserfolg dieser Mittel hat sich jedoch nur in Laboruntersuchungen zeigen lassen. Zudem können ätherische Öle Allergien auslösen oder die Haut irritieren.

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Letzte Aktualisierung: 29. August 2014