Kopfschmerz-Therapie in besonderen Fällen

Kopfschmerzen bei Schwangeren und Kindern

Bei schwangeren Frauen und kleinen Kopfschmerzpatienten ist im Hinblick auf Schmerzmittel große Vorsicht angebracht, da viele dieser Medikamente gerade für den Gebrauch bei einem Kind nicht genügend erforscht sind oder schädlich sein können.

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Bei Kindern als auch bei Schwangeren sollten Schmerzmittel nur eingesetzt werden, wenn dies unbedingt notwendig ist - am besten nach Rücksprache mit dem Arzt.
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Frauen, die häufig unter Kopfschmerzen leiden, haben oft Angst, in einer Schwangerschaft den Schmerzen hilflos ausgeliefert zu sein. Niemand möchte Mittel einnehmen, die am Ende den ungeborenen Nachwuchs gefährden. Grundsätzlich gilt daher die Empfehlung, dass Schwangere auf die Einnahme von Schmerzmitteln nach Möglichkeit verzichten sollten.

Vielen fällt das nicht einmal schwer, denn die Kopfschmerzen bleiben während der Schwangerschaft oft aus. Das gilt vor allem für Migräne: 80 Prozent der Schwangeren haben keine Migräne-Attacken oder nur abgeschwächte. Der positive Effekt hält bei vielen noch während der Stillzeit an. Wie die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft in ihrer Patienten-Information "Migräne und Hormone" berichtet, lassen auch Spannungskopfschmerzen bei über 60 Prozent der Frauen in dieser Lebensphase nach. Begründet wird dies mit den hormonellen Veränderungen in der Schwangerschaft und Stillzeit. Ein weiterer Grund: Mütter essen in dieser Lebensphase viel gesünder, sie rauchen und trinken nicht.

Tipps für den Umgang mit Kopfschmerzen in der Schwangerschaft

Es gibt aber Frauen, bei denen Kopfschmerzen in der Schwangerschaft weiter auftreten oder sich sogar verstärken. Der Berufsverband der Frauenärzte rät dann zunächst nicht-medikamentöse Methoden auszuschöpfen wie Akupunktur, Yoga, Massagen, ätherische Öle und kalte Auflagen sowie die Einnahme von Magnesium.

Wenn diese Methoden versagen, sollten Schwangere jedoch nicht von sich aus zu Schmerzmitteln greifen, sondern nur nach ärztlicher Beratung: "Die besondere Problematik ergibt sich daraus, dass fast alle Arzneimittel die Plazenta überwinden und in Kontakt mit dem ungeborenen Kind kommen können",  erklärt Professor Hartmut Göbel, Facharzt für Neurologie, Spezielle Schmerztherapie und Psychotherapie an der Schmerzklinik Kiel.

Auch Lifeline-Experte Dr. Morad Ghaemi vertritt die Position, gerade in der Schwangerschaft nach Möglichkeit auf Schmerzmittel zu verzichten. "Bei Spannungskopfschmerzen hilft Pfefferminzöl sehr gut, es kann bedenkenlos angewendet werden", empfiehlt er. Migräne-Patientinnen helfe vor allem Ruhe und ein abgedunkelter Raum. "Ist ein Schmerzmittel unumgänglich, weil die Schmerzen zu stark sind, kann der Wirkstoff Paracetamol eingenommen werden", so Ghaemi. "Missbildungen am Kind durch diesen Wirkstoff sind ausgeschlossen." Andere zur Kopfschmerz- und Migränebehandlung übliche Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure (ASS) und die verschreibungspflichtigen Triptane sind dagegen nicht für Schwangere geeignet.

Starke Kopfschmerzen bei Schwangeren unbedingt abklären!

Treten in der Schwangerschaft erstmalig ungewohnte und starke Kopfschmerzen auf, müssen diese unbedingt ärztlich abgeklärt werden. "Dahinter können sich lebensbedrohliche schwangerschaftstypische Erkrankungen verbergen" warnt der Berufsverband der Frauenärzte. Gemeint ist eine mögliche Präklampsie: Eine für Mutter und Kind gefährliche Erhöhung des Blutdrucks, die weitere Komplikationen wie Krampfanfälle oder eine verminderte Nierenfunktion nach sich ziehen kann.

Auch die Sinusvenenthrombose, bei der Abflusswege für das venöse Blut im Gehirn durch ein Blutgerinsel blockiert sind, macht sich unter anderem durch plötzliche starke Kopfschmerzen bemerkbar. Sie kommt bei  Schwangeren und Wöchnerinnen überproportional häufig vor. Wichtig ist, dass eine Sinusvenenthrombose frühzeitig entdeckt wird, um erfolgreich behandelt werden zu können.

Kopfschmerzen bei Kindern nehmen seit Jahren stetig zu

Laut Studien haben 90 Prozent der Kinder bis zum zwölften Lebensjahr bereits Erfahrungen mit Kopfschmerzen gemacht, davon 60 Prozent mit Spannungskopfschmerzen und bis zu zwölf Prozent mit Migräne. Die Symptome unterscheiden sich bei Kindern nur wenig von den Beschwerden der Erwachsenen. Typisch für einen Migräneanfall bei Kindern ist, dass:

  • sie blass sind und sich hinlegen, eventuell schlafen möchten und, falls sie während des Migräneanfalls einschlafen, nach kurzer Zeit weitgehend ohne Beschwerden wieder aufwachen.

  • der pulsierende oder pochende Schmerz meistens beidseitig und im Stirnbereich auftritt.

  • die Attacken oft nur zwei Stunden oder noch kürzere Zeit andauern.

  • als Begleiterscheinungen vor allem Übelkeit und Erbrechen auftreten.

  • der Kopfschmerz bei manchen Kindern ausbleibt und sich die Migräne als regelmäßig auftretende Schwindelattacken mit Übelkeit und Erbrechen äußert.

Neurologische Symptome wie Lichtblitze vor den Augen, Gefühlsstörungen in Händen und Armen oder Sprachstörungen können ebenfalls Begleiterscheinungen sein.

Spannungskopfschmerzen bei Kindern gehen weitgehend mit den gleichen Symptomen einher wie bei Erwachsenen. Es sind in der Regel leichte bis mittelschwere, dumpf-drückende Schmerzen, die auf beiden Seiten des Kopfes auftreten und sich oft vom Nacken zur Stirn oder von der Stirn zum Nacken ausbreiten und bei körperlicher Aktivität nicht stärker werden.

Kinder brauchen auch Zuwendung

Wie bei Schwangeren sollten auch bei Kindern die Kopfschmerzen in erster Linie nicht-medikamentös behandelt werden. "Kinder haben oft leichte Kopfschmerzen, die schnell wieder verschwinden, da würde ich erst mal abwarten", so Lifeline-Experte Ghaemi. "Pfefferminzöl hilft bei Kindern sehr gut", ist seine Erfahrung. "Bei Kindern ist der Placebo-Effekt größer. Ihnen hilft nicht nur das ätherische Öl selbst, sondern auch, dass die Eltern sich um sie kümmern."

Vorbeugen ist bekanntlich besser als Heilen – das gilt für Kopfschmerzen und Migräne im Kindesalter ebenfalls. "Ausdauersport wie beispielsweise Radfahren stimuliert das vegetative Nervensystem", erklärt Ghaemi - "denn Studien belegen, dass durch regelmäßigen Ausdauersport die Intensität und Häufigkeit von Migräne-Attacken gemindert werden."

Ist ein Schmerzmittel dennoch unumgänglich, rät der Facharzt für Neurologie und Psychiatrie zu den Wirkstoffen Paracetamol oder Ibuprofen, und zwar am besten als Saft: "Der lässt sich besser dosieren, weil die Dosis genau auf das Körpergewicht abgestimmt werden kann, und wird von Kindern leichter genommen."

ASS wiederum ist für Kinder tabu, da dieser Wirkstoff bei ihnen das gefährliche Reye-Syndrom auslösen kann (das Reye-Syndrom ist eine seltene Erkrankung von Kindern zwischen vier und neun, bei der eine akute Schädigung des Hirns und eine fettige Degeneration der Leber entstehen).

Bei wiederkehrenden Kopfschmerzen zum Arzt

Wiederkehrende Kopfschmerzen sollten aber immer ärztlich abgeklärt werden. "Wenn ein Kind öfter als einmal monatlich über Kopfschmerzen klagt, sollten die Eltern mit ihm zum Arzt gehen", rät Ghaemi. Der sofortige Arztbesuch ist ratsam, wenn:

  • der Schmerz urplötzlich und heftig einsetzt,

  • das Kind zusätzlich hohes Fieber hat,

  • das Kind den Kopf nicht beugen kann (Nackensteife),

  • das Kind ungewohnt stark erbricht,

  • das Kind starke Benommenheit zeigt,

  • erstmalig beim Kind ein Krampfanfall auftritt,

  • erstmals das Kind neurologische Symptome wie Seh- und Sprachstörungen hat, Schwäche in Armen und Beinen verspürt oder eine Gangunsicherheit auftritt und dies länger als eine Stunde anhält.

Hausmittel und Selbsthilfe bei Kopfschmerzen

Autor:
Letzte Aktualisierung: 03. Juli 2014
Quellen: Informationen des Berufsverbandes der Frauenärzte in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe Broschüre "Schwerpunkt Frauen, Schwangerschaft und Kinder. Kopfschmerzen und Migräne. "Ursachen erkennen – gezielt vorbeugen – erfolgreich behandeln" des bundesweiten Kopfschmerzbehandlungsnetzes zur koordinierten Versorgung, Autor Prof. Dr. Hartmut Göbel "Wenn Kinder Kopfschmerzen haben", Informationsschrift der Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), Stand 2005

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