Antimykotika und Laktobazillen

Scheidenpilz: Rezeptfreie Medikamente

Das hilft gegen eine Scheidenpilzinfektion

Eine Scheidenpilzinfektion kann in Eigenregie behandelt werden, wenn die Betroffene die Beschwerden eindeutig einer solchen Infektion zuordnen kann.

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Auch rezeptfreie Medikamente können bei einer Scheidenpilzinfektion wirksam helfen.
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Rezeptfreie Medikamente gegen Scheidenpilz werden örtlich im Vaginalbereich (lokal) angewendet. Man unterscheidet drei Medikamentengruppen:

  • Medikamente, die den Pilz abtöten (Antimykotika)
  • Desinfizierende Medikamente, die sowohl gegen Pilze als auch gegen Bakterien wirken und bei leichten oder beginnenden Infektionen empfohlen werden
  • Präparate mit Milchsäurebakterien zur Vorbeugung sowie zur Anwendung nach einer Behandlung mit pilzabtötenden Medikamenten

1. Pilzabtötende Medikamente (Antimykotika) zur Scheidenpilz-Behandlung

Antimykotika gegen Scheidenpilz enthalten die Wirkstoffe Clotrimazol oder Nystatin, die bei örtlicher Anwendung gut wirksam und verträglich sind. Beide Substanzen können als Vaginaltabletten/-zäpfchen oder als Vaginalcreme angewendet werden. Mittel der ersten Wahl ist Clotrimazol, da dieses im Gegensatz zu Nystatin gegen viele verschiedene Pilzarten wirksam ist.

Wie werden die Medikamente gegen Scheidenpilz angewendet?

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Vaginaltabletten oder -zäpfchen bzw. Vaginalcremes werden abends vor dem Schlafengehen mithilfe des Applikators, der in der Packung des Medikaments enthalten ist, möglichst tief in die Scheide eingeführt. Dies gelingt am besten in Rückenlage bei leicht angezogenen Beinen.

Vaginaltabletten oder -zäpfchen können auch ohne Applikator mit dem gereinigten Mittelfinger vorsichtig in die Scheide eingeführt werden.

Wie lange dauert die Behandlung?

Für die Behandlung von Scheidenpilz stehen rezeptfreie Medikamente für eine Ein-Tages- oder eine Drei-Tages-Therapie zur Verfügung. Präparate für eine Sechs-Tages-Behandlung kann nur der Arzt verordnen.

Die Entscheidung, ob eine Scheidenpilz-Therapie über 1 oder 3 Tage vorteilhafter ist, liegt bei der Anwenderin. Der Vorteil einer eintägigen Behandlung liegt in ihrer Kürze. Allerdings sind die Beschwerden dann meist nicht nach einem Tag, sondern erst nach 3 bis 4 Tagen vollständig abgeklungen. Bei einer dreitägigen Therapie enden die Beschwerden meist mit dem Abschluss der Behandlung.

Welche Darreichungsformen sind wann geeignet?

Bei sehr trockener Vaginalschleimhaut, z.B. bei Frauen in oder nach den Wechseljahren, sollte Vaginalcreme der Vorzug gegeben werden, da sich Vaginaltabletten oder -zäpfchen dann evtl. schlechter auflösen können.

Eine kombinierte Anwendung ist sinnvoll, wenn der Vaginalpilz nicht nur die inneren Bereiche der Scheide, sondern auch den äußeren Vaginalbereich (Schamlippen, Klitoris) bis hin zur Aftergegend befallen hat.

Um auszuschießen, dass häufige wiederkehrende Infektionen durch einen "Ping-Pong-Effekt" zustande kommen, sollte in diesen Fällen auch der Geschlechtspartner mit der Vaginalcreme behandelt werden. Dazu werden die Eichel und die Region unter der Vorhaut zweimal täglich eine Woche lang mit der Vaginalcreme bestrichen. Tritt ein Vaginalpilz nur selten, d.h. weniger als viermal in 12 Monaten auf, ist eine Partnerbehandlung nicht notwendig.

2. Desinfizierende Medikamente

Desinfizierende Medikamente wirken nicht nur gegen Scheidenpilz sondern auch gegen einige Bakterienarten. Sie enthalten die Wirkstoffe Povidon-Jod oder Dequaliniumchlorid in Form von Vaginalzäpfchen. Bei Dequaliniumchlorid wird eine Anwendungsdauer von 6 Tagen, bei Povidon-Jod von 5 bis maximal 10 Tagen empfohlen.

Vaginalzäpfchen mit Povidon-Jod dürfen nicht bei Schilddrüsenüberfunktion angewendet werden.

3. Medikamente mit Milchsäurebakterien (Lactobazillen)

Milchsäurebakterien (Lactobazillen), nach ihrem Entdecker auch als Döderlein-Bakterien bezeichnet, gehören zu den natürlichen Bewohnern der Vaginalschleimhaut. Sie scheiden neben anderen Produkten auch Milchsäure aus und tragen dadurch zur Schaffung oder Aufrechterhaltung des natürlichen sauren Milieus in der Scheide bei. Dies macht man sich bei Anwendung von Lactobazillen als Vaginalzäpfchen oder -kapseln zunutze. Diese eignen sich besonders zur Vorbeugung von Scheidenpilz und zur Anwendung nach einer Antimykotika-Behandlung. Sie werden einmal täglich vor dem Schlafengehen tief in die Scheide eingeführt und können über einen längeren Zeitraum angewendet werden. Meist wird eine Anwendungsdauer von 7 bis 10 Tagen empfohlen.

4. Feuchtigkeitsspendende und pH-Wert-normalisierende Medikamente

Aus verschiedenen Gründen, z.B. wegen einer nachlassenden Hormonproduktion in den Wechseljahren, kann das Milieu im Scheidenbereich zu trocken oder nicht sauer genug sein, was eine unerwünschte Vermehrung von Pilzen begünstigt. Zur Vorbeugung einer Scheidenpilz-Infektion oder nach einer Antimykotika-Behandlung können deshalb rezeptfreie Medikamente zum Einsatz kommen, die fehlende Feuchtigkeit ergänzen und den pH-Wert normalisieren. Sie werden in Form einer 3-Tage-Kur angewendet.

Was muss außerdem beachtet werden?

Rezeptfreie Medikamente gegen Vaginalpilz sollten während der Menstruation nicht angewendet werden, da sie dann nur gering wirksam sind.

Bei gleichzeitiger Anwendung mit Kondomen oder einem Diaphragma können die Reißfestigkeit der Kondome oder die Funktion der Membran des Diaphragmas beeinträchtigt werden. Aus diesem Grund und auch zum Schutz der Vaginalschleimhaut vor zusätzlicher Belastung sollte während einer Lokaltherapie gegen Vaginalpilz auf Geschlechtsverkehr verzichtet werden.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 22. September 2014
Quellen: Stiftung Warentest: Handbuch Selbstmedikation, Berlin (2002/2003) / Rote Liste online (www.rote-liste.de) / Lennecke/Hagel/Przondziono: Selbstmedikation. Leitlinien zur pharmazeutischen Beratung, Deutscher Apotheker Verlag, Stuttgart, 3. Auflage (2007)

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